Spotlight 40 – Dung Kar

Schneckentrompete aus Tibet

Die Trompeten gehören zur Instrumentenfamilie der Aerophone. Dies sind Instrumente, bei denen die Luft selbst der schwingende Teil ist. Unterschieden werden freie Aerophone, bei denen die Luft nicht durch das Instrument begrenzt ist, wie z.B. die Lochsirene, und die eigentlichen Blasinstrumente, bei denen die Luft im allgemeinen in einer Röhre eingeschlossen ist, nämlich die Flöten-, Rohrblatt- und Trompeteninstrumente.

Wie viele Abbildungen zeigen, wurden trompetenartige Instrumente schon in der Antike und in vielen Kulturen verwendet. Sie dienten vor allem als Signalinstrument, wurde dann aber zum vollwertigen, melodiefähigen Instrument weiterentwickelt und sind heute in vielfältigem musikalischem Einsatz.

Die hier ausgestellte Schneckentrompete aus Tibet, Dung Kar genannt, stellt nun eine Ausnahme zu den bisherigen Vorstellungen von Trompeten dar. An Stelle einer Röhre wird hier ein Schneckengehäuse verwendet. Unter- und Oberende sind mit schönem, reliefdekoriertem Silberblech verkleidet. Im Oberende befindet sich das trichterförmige Mundloch. Diese Trompeten wurden in den Klöstern verwendet. Im Freien wurden sie paarweise zu kultischen Zwecken nach den vier Himmelsrichtungen geblasen.

Wolfgang Bettzieche