Spotlight 9 – Drehleier

Drehleier aus Frankreich

Die Drehleier (französisch: Vielle à roue) ist ein Streichinstrument, bei dem die Saiten statt mit einem Bogen alle gleichzeitig mittels  eines von Hand gedrehten, im Korpus befestigten Rades angestrichen werden. Der Resonanzkörper wird sowohl in Gitarren- wie auch in Lautenform ausgeführt.

Das hier gezeigte Instrument hat eine Lautenform. Es hat zwei Melodiesaiten (chanterelles) und vier Bordunsaiten. Die Melodiesaiten können durch eine Klaviatur, hier mit 23 Tasten, verkürzt werden. Der Musikant hält das Instrument auf dem Schoß. Mit der rechten Hand dreht er die Kurbel und mit der linken Hand spielt er auf der Klaviatur die Melodie. Durch ruckartige Betätigung  können auch rhythmische Effekte hervorgebracht werden.

Das seit dem Mittelalter bekannte Instrument hatte im weltlichen und kirchlichen Bereich großes Ansehen. Verwendet wurde es damals als  Melodieinstrument zum Tanz wie auch zur Liedbegleitung. Seit dem 15. Jahrhundert wurde sie zum Bauern- und Bettlerinstrument. Im 18.  Jahrhundert erlebte sie eine neue Blüte als passendes Instrument für Schäferidylle, die in Frankreich bei den Aristokraten beliebt  wurde und sich auch in der Kunstmusik niederschlug. So sind Kompositionen von Leopold Mozart (1719-1787), Joseph Bodin de Boismortier (1689-1755) und weitere bekannt.

Mit dem Niedergang des Adels ging auch die Bedeutung des Instrumentes wieder zurück. Außer in ländlichen Gebieten verschwand es gegen Ende des 19. Jahrhunderts in fast allen Ländern. Es hielt sich jedoch bis heute in Ungarn und Spanien, aber vor allem in Mittelfrankreich, wo es bis heute eine ununterbrochene Tradition in der Volksmusik hat.

Wolfgang Bettzieche