Kamine, Decken, Treppenhaus – die verbliebene feudale Ausstattung

 

Haus Kemnade heißt so, weil es offene Kamine besaß. Und auch das Haus des 17. Jahrhunderts besitzt noch fünf Kamine. Sie sind mit den Decken und dem Treppenhaus das einzige, was von der alten Ausstattung verblieben ist. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts verlor das Haus im Zuge einer Erbteilung sein ganzes bewegliches Inventar. Dennoch vermitteln vor allem die Kamine im großen und im kleinen Saal ein eindrucksvolles Bild der Adelskultur zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Und das gilt auch von der prächtigen Holztreppe und den geschnitzten Ovalmedaillons an der Decke der Eingangshalle aus der Zeit um 1700. Auch die stuckierten oder bemalten Deckenbalken der Säle aus derselben Zeit sind sehr gut erhalten.

Der prächtigste Kamin ist der Wappenkamin im großen Saal, dessen Aufbau und Bildprogramm ganz der Betonung des Rangs der Herren von der Recke auf Haus Kemnade dient. Wennemar V. von der Recke und seine Gemahlin Sybilla von Büren, die im Porträt dargestellt haben, haben sich mit diesem Kamin nicht nur selbst ein Denkmal gesetzt, sondern mit den acht Doppelwappen der Vorfahren Wennemars eine eindrucksvolle Ahnenprobe geliefert. Christus als Weltenherrscher über dem Kamin, die vier Kardinaltugenden (von denen die Figur der Temperantia fehlt) und das Relief mit der Opferung des Isaak verweisen auf die religiös begründete Herrschaft des Erbherrn auf Kemnade . Noch deutlicher wird der religiöse Bezug im Adam und Eva Kamin des kleinen Saals mit der Darstellung des Sündenfalls und Vertreibung aus dem Paradies und im Schöpfungskamin des ersten Stocks mit der Erschaffung der Welt und der Erschaffung Evas. In ihnen spiegeln sich die protestantischen Überzeugungen des letzten von der Recke und der Sybergs. – Die Verbindung von Religiosität und adeligem Standesbewusstsein dokumentiert auch der Sybergschen Epitaph aus der Pfarrkirche, der hier seinen Platz gefunden hat. – In eine andere Welt führen die Deckenmedaillons der Eingangshalle aus dem Jahre 1707. Hier werden die Inhaber der Herrschaft Stiepel von den Anfängen bis zu den Herren von Syberg in Wappen dargestellt um welche die Planeten in Wägen kreisen, deren Räder das Sybergsche Wappen wiederholen, alles eingebunden in den Zyklus der Tierkeiszeichen. Die Eigenherrschaft und die Eigenherren stellen sich dem Besucher beim Betreten des Hause eingefügt in die kosmische Ordnung vor – ein typisches Bildprogramm des Absolutismus.