Die Kemnader Adelsdynastien

 

Gerichts- und Patronatsherren von Stiepel waren vom 13. Jahrhundert bis 1410 die von Dücker, 1418 bis 1647 die von der Recke und 1647 bis 1812 die von Syberg. Der erste Nachweis, dass die Inhaber der Herrschaft nicht auf dem Hof von Stiepel saßen, sondern auf Haus Kemnade, stammt aus dem Jahre 1410.

Im lippischen Lehensarchiv sind zwar als erste Lehensinhaber der Herrschaft 1393 die Herren von Düker genannt, prägend für die Geschichte der Herrschaft und des Hauses Kemnade waren aber zwei andere märkische Adelsfamilien, die von der Recke und die von Syberg.

Die von der Recke kauften 1418 die Herrschaft Stiepel und hatten sie bis 1647 in inne. Sie waren eine bedeutende märkische Adelsfamilien, deren räumlicher Schwerpunkt um Kamen und Hamm lag und die Stiepel zunächst nur als zusätzlichen entfernten Besitz betrachteten. Erst mit dem Begräbnis Goderts von der Recke in der Stiepeler Kirche 1521 bildete sich eine eigenständige Linie der Familie zu Stiepel aus. Dies führte 1596 unter Wennemar V. von der Recke als Patronatsherren, die den Geistlichen vorschlagen konnte, die Reformation ein. Es gelang der Familie auch mehrfach das Amt des Drosten von Blankenstein zu besetzen, womit sie auch Sonderstellung ihrer Unterherrschaft zu sichern wussten.

Nachfolger im Erbgang wurden 1647 die Herren von Syberg, eine im Vergleich zu den von der Recke eher nachrangige märkische Adelsfamilie, deren Aufstieg mit dem Antritt der Herrschaft Stiepel erst begann. Auch Mitglieder ihrer Familie waren Drosten in Blankenstein. Auch sie waren strenge Lutheraner. Bis 1880 blieben sie im Besitz zunächst der Herrschaft Stiepel, dann der Gutsherrschaft Kemnade.

Die auffällig lange Dauer dynastischer Herrschaft auf Haus Kemnade ist das Ergebnis der Lehensqualität der Herrschaft Stiepel, welche durch das Teilungsverbot einen dauerhaften festen Kern des Familieneigentums bildete, der nicht der für Adelsfamilien gefährlichen Erbteilung unterlag. Auf Dauer bedeutete das die Garantie der Erhaltung eines „qualifizierten Geschlechts“ (Friedrich Matthias von Syberg 1688)