Instrument des Monats September 2008

Idiophone zur Tanzbegleitung

Idiophone sind Instrumente bei denen der Ton durch Eigenschwingungen des Instrumentes, also nicht durch die Schwingungen einer Membran, einer Saite oder einer Luftsäule erzeugt wird.

Sie bestehen aus einem Naturmaterial, das auf verschiedene Weise z.B. Schlagen, Stampfen, Schütteln, Zupfen, Reiben usw. zum Klingen gebracht wird. Ihre Entwicklung begann vor vielen tausend Jahren, als der Urmensch zum ersten Mal Stäbe, Knochen oder Steine aneinander schlug, um den Rhythmus seines Händeklatschens und Fußstampfens zu verstärken. Bis heute werden die verschiedensten Idiophone verwendet, um Gesang und Tanz zu begleiten oder auch um Signale zu geben. Das Interesse an verschiedenen Klängen und Tonhöhen führte zu einer vielfältigen Entwicklung in Größe und Beschaffenheit wie dem Xylophon und dem Gongspiel.

Ausgestellt sind erstens eine Schnurrassel aus Brasilien. Zwei Reihen von Fruchtkapseln sind auf einer geflochtenen Hanfschnur befestigt. – Weiterhin eine Aufschlagrute aus Deutschland, einem besenartig ausgeschnittenen Holzblock der in einen Griff ausläuft, – sowie eine auch aus Deutschland stammende Klapper. Bei ihr schlagen beim Schütteln zwei Bretter, die mit Lederstreifen und Schrauben befestigt sind, auf ein feststehendes Mittelbrett. Der Griff ist gedrechselt.

Wolfgang Bettzieche

Instrument des Monats August 2008

Hand-Harmonika und Akkordeon

Die Hand-Harmonika und das Akkordeon zählen zur Instrumentenfamilie der Aerophone, d.h. den mit Luft betriebenen Instrumenten.

Beide haben metallene Durchschlagzungen, die durch einen in der Mitte liegenden Handblasebalg in Schwingung gebracht werden.

Die Hand-Harmonika hat zum Spielen nur Knöpfe und beim Ziehen oder Drücken des Balges werden verschieden hohe diatonische Töne erzeugt.

Zum Unterschied zu dieser ?Wechseltönigkeit? ist das Akkordeon ?gleichtönig? aufgebaut, d.h. die Tonhöhe ist unabhängig vom Blasebalg. Ursprünglich auch auf der Melodieseite mit Knöpfen ausgeführt, wurden bald auch Instrumente mit einer Piano-Tastatur ausgerüstet. Bei beiden Instrumenten sind die Bassseiten identisch, der Tonumfang des Knopfdruck-Akkordeons ist jedoch auf der Melodieseite wegen der engeren Lage der Knopftasten größer. Auf der Bassseite können durch die Betätigung eines Knopfes die verschiedensten Akkorde (daher der Name „Akkordeon“) wie z.B. Dur- und moll- oder Septimen-Akkorde erzeugt werden.

Instrumente mit Durchschlagzungen wurden erst um 1750 in Europa bekannt. Das Akkordeon mit Knopfdruck-Mechanik entstand im 19.Jhd. Das heute populärere Piano-Akkordeon entwickelte sich erst nach 1900. 1927 wurde das erste Akkordeon-Orchester gegründet. Inzwischen gibt es hierfür eine umfangreiche Literatur.

 Text und Foto Wolfgang Bettzieche

Instrument des Monats Juni 2008

Uilleann-Pipe aus Irland

Die Uilleann-Pipe (engl. Union-Pipe) ist eine seit dem 18.Jahrhundert in Irland verbreitete, hoch technisierte Sackpfeife (auch Dudelsack genannt).
Wegen ihrer komplizierten Spieltechnik kann die Uilleann-Pipe ausschließlich im Sitzen gespielt werden.

 

Dabei wird die Luft durch einen Blasebalg (statt einer Blaspfeife) in den Sack geleitet, die Pfeifen liegen schräg vor dem Spieler auf den Knien. Das Instrument hat eine Melodiepfeife mit Grifflöchern und Doppelrohrblatt sowie drei stimmbare gedackte Bordunpfeifen mit Aufschlagzungen.

Darüber hinaus sind drei weitere stimmbare gedackte Bordunpfeifen mit Doppelrohrblättern vorhanden. Diese haben 4 bzw.5 Grifflöcher die alle mit Messingklappen versehen sind und mit dem Handballen bzw. mit den gerade unbeschäftigten Fingern betätigt werden.

Dadurch lassen sich entweder der Melodieraum erweitern oder aber unabhängige Begleitstimmen ausführen. Wenn der Spieler alle Grifflöcher und zugleich mit Hilfe des Knies das untere Ende der Melodiepfeife verschließt, setzt der Ton aus. Diese Spielweise ermöglicht sowohl die Ausführung von Tonrepetitionen als auch eines wirklichen Staccatos.
Überdies können in gewissen Grenzen Lautstärke und Tonhöhe beeinflusst werden, indem der Spieler die Melodiepfeife allmählich ganz mit dem Knie verschließt oder auf dieselbe Weise öffnet.

Wolfgang  Bettzieche

Instrument des Monats Mai 2008

Kesselgong aus Indonesien und Bechertrommel aus Indien

Der Gong ist bekannt als eine runde, metallene mehr oder weniger gebogene Scheibe die an den Rändern an einem Gestell hängt und mit einem Schlegel in der Mitte angeschlagen wird. Der stärkste Klang entsteht, im Unterschied zur Glocke, in der Mitte und wird zum Rand hin schwächer.

Das hier ausgestellte Instrument ist eine Sonderform und ähnelt einer Trommel in Sanduhrform. Es besteht aus Eisenguss, ist unten offen und hat oben eine überkragende Metallplatte. An den Seiten befinden sich vier henkelartige Griffe.

Trommeln sind in großer Vielfalt bekannt. Im Unterschied zu dem oben beschriebenen Kesselgong hat die Trommel zur Tonerzeugung je nach Bauart ein oder zwei gespannte Felle. Es gibt sie in zylindrischer, konischer oder auch in Form eines Fasses. Sie werden getragen oder auf den Boden gestellt.

Das hier ausgestellte Instrument ist eine Bechertrommel aus verzinktem Messing. Sie hat einen flachen, schalenartigen Korpus mit einem langen sich erweiterndem Hals. Die Hautdecke wird mit einem Metallwickelreifen und sechs Spannschrauben gespannt.

Bei beiden Instrumenten sei auf die schönen Verzierungen hingewiesen, die durch die Verwendung von Metall als Klangkörper möglich wurden.

Wolfgang Bettzieche

Instrument des Monats April 2008

Sackpfeife aus Polen

 

Die Sackpfeife, in Deutschland auch Dudelsack, in Polen Dudy oder Duda genannt, ist ein volkstümliches Rohrblattinstrument. Seit dem ersten nachchristlichem Jahrhundert ist es in Asien Europa und Nordafrika bekannt.

 Ein Sack, meist aus Tierhaut, hier mit Fell, dient als Windmagazin. Der Spieler bläst die Luft durch ein Anblasrohr in den Sack oder füllt diesen, wie bei dem ausgestellten Instrument zu sehen, mittels eines Blasebalges. Die so gespeicherte Luft wird durch Armdruck in die Pfeifen gepresst und bringt diese zum Erklingen. So entsteht der für dieses Instrument typische ununterbrochene Klang. Je nach Größe des Sackes kann der Spieler für eine gewisse Zeit selbst singen, ohne das instrumentale Spiel unterbrechen zu müssen. Bei den Pfeifen wird zwischen Melodie- und Bordunpfeifen unterschieden. Das ausgestellte Instrument hat nur eine Melodie- und eine  Bordunpfeife. In der Regel haben die Instrumente jedoch zwei Melodie- und zwei oder auch mehr Bordunpfeifen.  Die Bordunpfeifen haben nur je einen Ton und bilden die musikalische Basis. Die beiden mittels Löchern in der Tonhöhe veränderbaren Melodiepfeifen ermöglichen es, in einem engen Tonraum zwei von einander unabhängige Stimmen zu musizieren. Instrumente mit nur einer Melodiepfeife erlauben die Ausweitung der Melodie bis zur Oktave und sogar ein Überblasen in noch höhere Töne.

Die Sackpfeife ist ein typisches Hirteninstrument und wird meist solistisch gespielt. In Schottland jedoch wurde sie zum Symbol der nationalen Identität und fand Eingang in die Militärmusik.

Wolfgang Bettzieche

Instrument des Monats März 2008

Sitar – Indische Langhalslaute

In der hiesigen Instrumentensammlung befinden sich mehrere indische Langhalslauten, in Indien ?Sitar (auch Sitär)? genannt. Diese fallen vor allem durch ihre handwerklich schöne Ausführung auf. Deswegen wird hier ein weiteres dieser Instrumente vorgestellt.

Dieses hat einen birnenförmigen Schallkörper und wird mit einem Plektron gezupft. Das ausgestellte Instrument hat einen Kalebassenkorpus und eine Holzdecke, jedoch keinen, wie sonst oft bei diesen Instrumenten zu finden, zusätzlichen kleinen Resonator. Die sieben Melodiesaiten sind an fünf großen seitenständigen und zwei vorderständigen Wirbeln befestigt. An kleinen Flankenwirbeln im Hals befinden sich elf Resonanzsaiten. Die Stege sind aus Elfenbein und die Bünde aus Metall. Bemerkenswert sind die Horneinlegearbeiten sowie eine an der rechten Korpusunterseite angeschraubte, löffelförmige Spielstütze.

Ursprünglich aus Persien kommend, ist sie heute vor allem in Nordindien aber auch in Südindien verbreitet. Sie ist dort eines der bedeutendsten Instrumente der klassischen Raga-Musik, z.B. gespielt von Virtuosen wie Ravi Shankar. (geb.1920), der auch im Westen große Erfolge erzielte.

 Das Raga-Ensemble besteht aus einer Sitar, einer Tambura, das ist eine Bordunlaute, die nur Begleittöne spielt, und einer Tabla, einer kleinen Trommel. Die Raga ist durch ihren Klang bestimmt, der in seiner differenzierten Färbung und auf Grund seines emotionalen Affektgehaltes die Menschen erfreuen soll. Durch sie soll in fortgesetztem musikalischem Wandel die klangliche Verlautbarung gestaltet und der Bezug zu außermusikalischen Bereichen wie Götter, Himmelsrichtungen, Gestirnen, Farben usw, gefühlsmäßig hergestellt werden.

Wolfgang Bettzieche

Instrument des Monats Februar 2008

Tar aus dem Iran oder Afghanistan

 

Der Tar gehört zur Instrumentenfamilie der Langhalslauten. Der Holzkorpus besteht zwar aus einem Stück, ist jedoch durch zwei tiefe Kerben in zwei eiförmige Teile getrennt Die Ober- und die Unterhälften haben Hautdecken in Klebespannung. Am Ende des angesetzten schmalen Halses befindet sich ein kastenförmiger Wirbelkasten mit sechs seitenständigen Wirbeln für sechs Saiten welche in c/c1-g/g1-c/c gestimmt sind. Diese werden mit 24 Wickelbünden mikrotonal dh.15 Intervalle pro Oktave,und nicht wie im tonalen System 12, verkürzt. Es gibt jedoch auch Instrumente mit anderen Saiten- und Bündenzahlen. Das Instrument wird mit einem Plektrum gezupft.

Der persische Tar wurde bei festlichen Veranstaltungen sowohl am Hofe wie auch der städtischen Oberschicht, aber auch heute noch von Spielleuten gespielt. Er hat eine wichtige Aufgabe in der ?Dastgah?, dies ist ein melodischer Gestalttypus der als Melodiemodell einer Komposition zugrundegelegt und auf dessen Basis improvisiert wird. Bei dessen Darbietung obliegt der Tar insbesondere die Interpretation des komponierten solistischen Teils.

Der etwas abweichend gebaute und gestimmte kaukasische Tar hat auch in der Türkei und als ?Tari? in Georgien Eingang gefunden.

 

Wolfgang Bettzieche

Instrument des Monats Januar 2008

Sitar aus Indien

Die Sitar ist eine Langhalslaute persischen Ursprungs. Heute wird sie vor allem in Indien gespielt und ist dort eines der bedeutendsten Konzertinstrumente der heimischen klassischen  Raga-Musik.

Seit der Einführung in Indien, wahrscheinlich zu Beginn des 16.Jhd., erfuhr sie mannigfaltige Wandlungen hinsichtlich Bauart, Saitenzahl und Stimmung. Das ausgestellte Instrument hat außer dem birnenförmigem Schallkörper noch einen zusätzlichen kleinen Resonator. Es hat 7 Melodiesaiten an 5 großen seitenständigen und 2 vorderständigen Wirbeln und 11 Resonanzsaiten an kleinen Flankenwirbeln. Die Saiten sind über 2 übereinander liegende Elfenbeinstege sowie einen Elfenbeinsattel und 13 Metallgleitbünde geführt. Sie werden mit einem Plektron gezupft. Bemerkenswert sind die Horneinlegearbeiten und die Schnitzereien.

Das klassische Raga-Ensemble besteht aus einer Sitar, einer Tambura, das ist eine Bordunlaute die nur Begleittöne spielt, und einer Tabla, einer kleinen Trommel.

Das Raga ist ein tonales Konzept, das einer vokalen und instrumentalen  Improvisation zugrunde liegt. Es hat charakteristische Tonfiguren in denen sich die Hierachie der Töne und kleine tonale Schattierungen ausprägen.  Ihnen sind u.a. Götter, Gestirne und Farben zugeordnet. Durch die Improvisation über die Eigentümlichkeiten eines Raga stimmt der indische Musiker seine Zuhörer und sich auf den Gefühlsgehalt eines Raga ein. Hierdurch soll ein Bezug zu den genannten außermusikalischen Bereichen hergestellt werden.

Wolfgang Bettzieche

Instrument des Monats Dezember 2007

Marimbaphon aus Tansania

Foto:Andrea Grune

Das Marimbaphon gehört zur Familie der Xylophone. Ein Xylophon (zu griech. xylon < Holz> und phone <Stimme>) besteht aus einem Satz klingender Holzstäbe, die mit einem Stock angeschlagen werden. Es wird auch des öfteren nur ?Marimba? genannt Dies ist jedoch eigentlich ein Instrument mit metallenen Zungen, die an einem Ende fest eingespannt sind und am anderen Ende gezupft werden.

Die Stäbe des Marimbaphons ruhen gewöhnlich auf einem Rahmen und sind gemäß ihrer Tonhöhe angeordnet. Die meisten Xylophone sind mit Resonatoren ausgestattet. Xylophone sind vor allem in Afrika verbreitet, aber auch in Südostasien, wo sie in den indonesischen Gamelan- Orchestern gespielt werden. In der europäischen Musik des 20.Jahrhunderts wird das Instrument sowohl orchestral als auch solistisch eingesetzt

Das hier gezeigte Instrument hat elf in aufsteigender Tonfolge angeordnete Klangstäbe aus hartem Holz, mit geschnittenen Linien verziert. Die Klangstäbe ruhen auf zwei festen Kordeln. Das einfache Gestell aus Ästen steigt zu den größeren Stäben an. An den Querhölzern befinden sich neun Kalebassen als Resonatoren. Die Schlegel haben Köpfe aus Gummiband. Dies ergibt einen weniger harten und damit weicheren Klang als der anderer Holzstabspiele.

Wolfgang Bettzieche

Instrument des Monats Oktober 2007

Flöten aus Mittel- und Südamerika

 

Foto:Andrea Grune

Flöten sind Instrumente bei denen der Ton entweder durch das Anblasen einer Schneide (Blockflöte) oder einer Kante (Querflöte) erzeugt wird. Es entstehen dabei Luftwirbel, die als Töne wahrgenommen werden. Sie gehören zu den ältesten uns bekannten Instrumenten. Hier sind fünf Beispiele ausgestellt.

1)Schnabelflöte aus rötlich-grauem Ton. Die Schneide befindet sich unten. Der Schnabel ist stark ausgeprägt, hat zwei rückwärtige ?Hörner? und ein vorderseitiges Gesichtsrelief. Die vier Grifflöcher haben jeweils einen gleichen Abstand.

2)Schnabelflöte aus rötlichem Ton. Die Schneide befindet sich unten. Der Schnabel und das Rohrende sind mit Maskenbildern verziert. Sie hat ein Ritzdekor und teilweise eine rot-grüne Bemalung. Die fünf Grifflöcher haben einen gleichen Abstand.

3)Doppelflöte aus gelblichem Ton mit roter Glasur. Sie hat eine kompakte, leicht ovale Form und ist unten geschlossen. Die beiden Schneiden mit ihren Mundlöchern befinden sich oben. Eine Flöte hat drei, die andere zwei Grifflöcher. Geschmückt ist die Flöte mit einem Gesichtsrelief und zwei seitlichen Flügeln.

4)Gefäßflöte in Schildkrötenform aus rötlich grauem Ton. Die Schneide befindet sich unten. Der Schwanz dient als Luftkanal. Im Panzer befinden sich seitlich vier (2/2) Grifflöcher.

5)Pfeiftopf aus grauem Ton. Die beiden zusammenhängenden Hohlräume sind je zur Hälfte mit Wasser gefüllt. Die durch den engen Hals in den ersten Raum (Anblasloch) geblasene Luft treibt dessen Wasser in den zweiten und drängt darin die Luft durch den Kopf (Pfeifloch) hinaus, wodurch ein Ton entsteht.

 

Wolfgang Bettzieche